Raum evangelisch kirchlicher Zusammenarbeit

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Ein Engel…, mir fällt gerade sein Name nicht ein.
Dabei liegt er mir auf der Zunge, ist mir ganz vertraut… 
Klingt er wie mein Name? Oder war er wie dein Name? 
Es will mir nicht einfallen….

Mir will auch sein Alter gerade nicht einfallen. Ob er jung war und unerfahren? Oder alt mit großer Lebenserfahrung? Begierig auf Neues? Oder eingefahren und in vertrauten Verhaltensweisen? 
Da ist nur eine schwache Ahnung:  
Er ist wie Du? Oder doch wie ich?

Wie auch immer. 
Dieser Engel, er singt im Chor der himmlischen Heerscharen. Er ist einer von Vielen – und das ist ihm auch ganz recht. Er will und muss nicht auffallen. Er will nicht herausstechen. Nur dabei sein will er.

Aber dann wird er auf einmal herausgefordert:
Die himmlischen Heerscharen bereiten einen großartigen Auftritt auf einem Hirtenfeld bei Bethlehem vor.

So soll es werden:
Ein Engel wird ein wichtiges Wort sagen, das die Hirten und die ganze Welt hören sollen:
„Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren!“ 
Fürchtet Euch nicht! Das sollen sich die Menschen merken. Weil Gott da ist, in der Welt ist sollen sie Zuversicht haben. Fürchtet Euch nicht.

Dann wird der ganze Chor singen: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ Und er soll sich allein vor den Chor stellen und dazu diese drei Worte singen:
Fürchtet euch nicht! 
Mit einer eigenen Melodie und mit seiner schönen klaren und hellen Stimme soll er den Chor übertönen, der ganz leise im Hintergrund singt: Ehre sei Gott in der Höhe.

Der Engel ist stolz, dass die himmlische Chorleitung ihm das zutraut. Er hat geübt. Und er kann seinen Teil. Für sich allein. Wenn er allein singt.

Aber dann kommt die erste Probe, in der jetzt alles zusammenpassen soll.

Er ist aufgeregt. Zittert am ganzen Körper vor Anspannung. Sein Einsatz kommt immer näher. Noch zwei Takte. Einatmen. Die Flügel ausbreiten, Den ersten Ton in Gedanken vorstellen… 
Jetzt ist er dran! Und da: vor lauter Anspannung und Nervosität kommt nur ein heiseres Krächzen.

Nein. Keiner lacht. Niemand schaut ihn hämisch an. Niemand ist verärgert. Auch die Chorleitung nicht.
Die Blicke, die er sehen könnte, wenn er denn hinsähe, sind eher ermutigend: Nicht so schlimm. Ist ja nur die Probe. Wir machen es noch mal… 
Aber er schaut nicht hin. Schaut unter sich. Sieht diese freundlichen Blicke nicht. Er schämt sich nur.

Die Chorleitung klopft auf das Pult. Neuer Versuch. Die Angst schnürt ihm die Kehle zu. Es kommt, wie es kommen muss. Es geht wieder schief. Noch drei weitere Versuche: Von Mal zu Mal wird es schlimmer. Mit jedem Versuch wachsen seine Unsicherheit und seine Angst. Schließlich ist er wie gelähmt…

Die Chorleitung bricht ab.

Der Engel, - mir fällt gerade sein Name nicht ein. Dabei liegt er mir auf der Zunge, ist mir ganz vertraut… Da ist nur diese schwache Ahnung: Er ist wie Du? Oder doch wie ich? 
Jedenfalls, dieser Engel, er ist gefangen in seiner Angst. Sie blockiert in regelrecht. Da kommt ein erfahrener alter Engel auf ihn zu.
„Lass gut sein für heute. Das wird schon… Morgen ist auch ein Tag.“
Und nach einer kleinen Pause, während derer er ihn verständnisvoll ansieht und dabei ein wenig lächelt:
„Wie war dein Text? Fürchtet Euch nicht!  -Stimmt doch!? Jetzt fürchte Du Dich nicht!
Gott hat Dir eine wunderschöne Stimme gegeben. Sie ist genau richtig für diesen Auftritt. Und er hat dir die Stimme gegeben, weil er Dir etwas zutraut! Du wirst den Menschen Zuversicht schenken können mit deinem Gesang. Und weißt Du was? Das kann nur jemand, der auch weiß, was es bedeutet, Angst zu haben.
Fürchte dich nicht! Trau dich, etwas Besonderes zu machen, mit dem Du Menschen etwas Gutes tust!“

Er klopft unserem Engel auf die Schulter, lächelt ihm zu und geht.

Gott traut mir etwas zu?
Unser Engel denkt darüber nach. 

Natürlich! Warum sonst sollte Gott ihm, Dir oder mir unsere Gaben gegeben haben? 

Und wenn Gott ihm da etwas zutraut, warum sollte er dann nicht auch zuversichtlich sein? 
Gott vertraut ihm. Darauf will, darauf darf er vertrauen: Gott wird ihm nahe sein, wenn er die Gabe nutzt, die Gott ihm geschenkt hat.
Er spürt, wie er sich innerlich aufrichtet.

Die nächste Probe beginnt.
Unser Engel steht vorne.
Sein Einsatz kommt immer näher. 
Noch zwei Takte...  Einatmen. Die Flügel ausbreiten, Den ersten Ton in Gedanken vorstellen…

Und dann erklingt klar und rein seine Stimme über dem Chor:

Fürchtet euch nicht!
Fürchtet Euch nicht!
Fürchtet Euch nicht!

Mit jedem Mal, mit dem er seinen Text singt, wird er sicherer. Und immer mehr bekommt er Freude and dem was er tut. 
Es fühlt sich gut an, einmal etwas Ungewohntes zu tun. Etwas Besonderes zu tun. Über sich hinauszuwachsen. Zu entdecken, was er alles kann… 
Wie gut sich das anfühlt. So bin ich denkt er – so hat Gott ihn gewollt.

Fürchte dich nicht! 
Der Engel, - warum fällt mir nur sein Name nicht ein? Er liegt mir doch auf der Zunge, ist mir ganz vertraut… Ich habe nur diese schwache Ahnung: Er ist wie Du? Oder doch wie ich?

Wie auch immer, dieser Engel hat etwas gelernt: Wo Gott uns nahe ist, da wächst Zuversicht. Und Zuversicht überwindet die Angst.

Er ist ein Engel. Darum kann er es gut so sagen:
Gottvertrauen und Zuversicht verleihen Flügel!

Gott ist in der Welt.
Er ist auch an deiner Seite! 
Darum: Fürchte Dich nicht!

Figur: Monika Jung,

Hinterbacher Str. 21;
64760 Oberzent – Finkenbach
www.monis-holztraeume.de

Text:  Reinhold Hoffmann

Odenwälder Landstr. 1
64760 Oberzent - Rothenberg


 

 

 

 

 

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