Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

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Auf Augenhöhe… 

…den Demütigen gibt er Gnade

 

 

1. Petrus 5,5

Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut;
denn Gott widersteht den Hochmütigen,

aber den Demütigen gibt er Gnade.

 

Liebe Leserin, lieber Leser

Danke, dass Sie meine Gedanken für wert erachten, ihnen Zeit zu schenken und ihnen lesend zu folgen.

Mögen wir im Frieden Gottes, in der Liebe Christi und in der Gemeinschaft Heiliger Geistkraft verbunden sein.

An einem unvermuteten Ort (dem Fitnessstudio meiner Wahl) floss auf einmal ein fast vergessener Begriff in ein Gespräch ein. Mit Blick auf die kruden Verschwörungstheorien und den leichtfertigen Umgang mit der Gefährdung durch Corona sagte einer: Die Menschen müssen wieder Demut lernen.

Demut.
Was auch immer das ist. Da dieses Wort kaum noch verwendet wird klingt das vor allem nach „Demütigung“.
Kränkung verbinden wir damit und das Herabsetzen eines Anderen. Mit einem demütigen Menschen verbinden wir sehr schnell einen unterwürfigen und schwachen Menschen… ein Opfer…
Demut scheint einem Ideal zu widersprechen, das wir für unser Zusammenleben und Zusammenarbeiten in den letzten Jahren mühsam erarbeitet haben: Wir wollen auf Augenhöhe sein.

Auf Augenhöhe!
Wo wir uns auf Augenhöhe begegnen, da gibt es Vieles zu entdecken:

·         Schaut der/die Andere konzentriert?
·         Sehen die Augen verträumt in die Weite?
·         Füllen sich die Augen mit Tränen?
·         Sind sie vor Schreck geweitet?
·         Strahlen sie? … vor Liebe? … vor Freude?
·         Sind sie eingerahmt von Lachfältchen?

Auf Augenhöhe können wir uns kaum voreinander verstecken. Es hat seinen Grund, warum uns Menschen, die uns nicht in die Augenschauen können, befremdlich wenn nicht sogar bedrohlich erscheinen. Es scheint als wollten sie etwas vor uns verbergen.

Augenhöhe braucht Mut. Augenhöhe braucht den Mut zu sich selber zu stehen. Augenhöhe braucht den Mut eigene Stärken und eigene Grenzen anzuerkennen. Augenhöhe braucht den Mut das Gegenüber um Unterstützung zu bitten und den Mut sich selber als Unterstützung anzubieten.

Demut lässt sich auch beschreiben als „Mut zum Dienen“. Für mich ist Demut der Mut den eigenen Platz in der Welt einzunehmen und ihn zu behaupten. Sie ist der Mut, sich nicht über andere zu erheben.

Demut ist für mich der Mut zur Augenhöhe.

Ich bin fasziniert davon, wie sehr Jesus der Nazarener diesen Mut gelebt hat. Ich denke an die Aufforderung aus dem Philipperbrief:
Sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er es nicht wie einen Raub, Gott gleich zu sein.

Er hat die Menschen angesehen mit ihren Sehnsüchten, ihren Freuden, Ängsten, ihrer Verzweiflung und ihren Träumen.
Und er hat sich den Menschen angeboten mit der Kraft seiner Zuneigung und Nähe, mit seiner Gabe zur Ermutigung und dem Mut zur Ehrlichkeit.
Auf Augenhöhe hat er sich den Menschen angeboten und zugemutet auch mit seinen Grenzen: Seiner Erschöpfung, seiner Sehnsucht nach "Alleinsein".
Auf Augenhöhe hat er sich den Menschen angeboten und zugemutet auch mit seinen Gefühlen: seiner Trauer, seinem Zorn und seiner Wut.
Auf Augenhöhe blieb er immer wahrhaftig.

Seid gesinnt wie Jesus Christus auch war…

Ich wünsche uns allen Mut zur Demut
und eine gesegnete neue Woche!

Seien Sie und bleiben Sie behütet! Herzlichst Ihr
                                                                       Reinhold Hoffmann

 

 

Gerne möchte ich Ihnen das Friedensgebet ans Herz legen, das Franz von Assisis zugeschrieben wird.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
Amen

 

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