Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

 Norbert Feick; Predigt in Michelbuch                              zum Ausdruck als PDF

Predigt

 

Diesmal wird nicht „Alles Gute kommt von oben!“ sagen wir immer dann, wenn sich etwas unerwartet Positives ereignet. Dieses hat nichts mit unserer genialen Planung oder herausragender Leistung zu tun, sondern es fällt uns überraschend zu.

Als Isaac Newton ein Apfel in den Schoß fiel, dachte er vielleicht auch „Alles Gute kommt von oben“. Denn der Apfel half ihm dabei das Gravitationsgesetz zu entdecken und zu einem der wichtigsten Mathematiker und Physiker zu werden.

Doch die Redensart: „Alles Gute kommt von oben“ stammt nicht von Isaac Newton, der im 17. Jahrhundert lebte. Das Sprichwort ist viel älter und stammt aus der Bibel, genauer gesagt aus dem Jakobusbrief. Darin schreibt der Verfasser, dass alles Gute von Gott, also von oben, kommt.

„Alles Gute kommt von oben“, das hätten bestimmt auch die Jünger*innen Jesu unterschrieben, als sie das Pfingstereignis vor knapp 2000 Jahren in Jerusalem miterlebt haben. Verängstigt, verwirrt und verunsichert sitzen sie eben noch beisammen, als plötzlich „ein lautes Brausen von Himmel, wie von einem gewaltigen Sturm, das ganze Haus erschüttert“, in dem sie sich befinden. Unwillkürlich richtet sich ihr Blick nach oben, um dieses gewaltige Naturspektakel wahrnehmen zu können. Dem akustischen Signal, dem Brausen vom Himmel, folgt eine beeindruckende visuelle Erscheinung am Himmel: „es erschienen Zungen zerteilt wie von Feuer

Das Bild von Mechthild Solf zeigt ein „Himmlisches Schauspiel am abendlichen Himmel“ Sie schreibt dazu: „Ich musste an Pfingsten denken - und es erschienen Zungen wie von Feuer. - Daraus ist dieses Bild entstanden.“

Diesmal wird nicht nur das ganze Haus erfasst, sondern sogar sie selbst, sie werden mitgetragen und gepackt. Durch die „good vibrations“ beindruckt und von den phantastischen Visionen gepackt, beginnen die verunsicherten, verwirrten und verängstigten Jünger*innen Jesu plötzlich Dinge zu tun, die sie selbst nicht für möglich gehalten hätten. Sie sprechen frei vor vielen Menschen aus aller Herren Länder in verständlichen Worten von ihrer neugewonnen Hoffnung, von ihrem unerschütterlichen Glauben und der grenzenlosen Liebe Gottes zu jedem Menschen. Vor wenigen Augenblicken hätten sie es nicht für möglich gehalten, doch jetzt sind sie mitten drin in Gottes wirkmächtigen Handeln, das wie ein Film vor ihren Augen abläuft.

2000 Jahre später werden wir Zeug*innen dieser historischen Situation, wie aus verunsicherten, verwirrten und verängstigten Menschen, selbstbewusste und hoffnungsvolle Menschen werden. Pfingsten ist Gottes Krisenintervention.

Ich wünsche mir das auch für unsere Zeit. Ich wünsche mir das für Sie und auch für mich, dass wir erkennen: Nicht ein Virus namens Covid 19 hat unsere Welt im Griff, sondern Gott hat diese Welt längst noch nicht aus seinen Händen entlassen. Ich wünsche mir, dass auch wir uns packen und inspirieren lassen, ins Staunen zurückfinden, mit offenen Augen und offenem Mund erschüttert und fasziniert vor der Größe Gottes stehen.

Wie meine ich das? Vielleicht war heute bei unserem Wandergottesdienst schon etwas für Sie dabei, was sie inspiriert, gepackt oder getröstet hat, vielleicht eine bekannte Melodie, ein aufmunternder Psalmvers, ein Segensspruch, ein Gebet, das lustige Dosenwerfen, die Meditation über das Wirken des Heiligen Geistes, die Bewegungen der Wolken am Himmel oder das ungezwungene Wandern im Wald.

Vielleicht ist ihr Blick heute gewandert zum Himmel und Sie haben unbewusst gespürt: „Alles Gute kommt von oben!“

Ich möchte mich immer wieder neu von diesem Gott packen und wegreisen lassen aus meiner Angst vor der Zukunft mit oder nach Corona weg, von bedrängenden Fragen nach der wirtschaftlichen Existenz und dem Grübeln darüber: „Wer soll das alles bezahlen, die vielen Schulden, die Rettungspakete, die Konjunkturprogramme.“

Ich möchte bezeugen: „Wahrlich, alles Gute kommt von oben.“ Gott steht dieser Welt in seiner grenzenlosen Liebe immer noch gegenüber. Bleiben Sie gesund und behütet.        

Amen.

Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald | Gemeinsames Gemeindebüro für die Ev. Kirchengemeinden Hirschhorn, Neckartseinach und Rothenberg: 06272 2225