Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

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Vielen Dank, dass Sie mich heute auf einer musikalisch angeregten Reise der Gedanken begleiten. Möge guter, heiliger Geist unseren gemeinsamen Weg segnen und an ein heilsames Ziel führen…

 

Von F darkbladeus - Eigenes Werk An I Am Ozzy book signing fan photograph; Changing Hands, Tempe, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10850231

 

Thank you!
God bless you all!

Danke!
Gott segne Euch alle!

Ozzy Osbourne (geboren am 3.12.1948) verabschiedet sich 2012 mit diesen Worten am Ende eines Konzertes in seiner Heimatstadt Birmingham. Ozzy Osbourne ist der schillernde Frontman und Sänger von Black Sabbath.

Am Ende dieses Konzertes scheint mir deutlich sichtbar, wie sehr ihn die Exzesse seines Lebens gezeichnet haben. Immer wieder gab es durchaus fragwürdige Anstrengungen und Eskapaden, mit denen er Grenzen überschritt. Krankheiten und Schwächeanfälle waren die Folge.
Immer wieder aber blitzen in seiner Lebensgeschichte auch sein Genialität und Kreativität auf, ebenso auch seine soziale Seite.

Mir drängt sich dabei immer wieder der Eindruck auf, seine "weiche" Seite sei ihm peinlich. Ich vermute, er hat als Jugendlicher, als 15jähriger Hilfsarbeiter mit kriminellen Anwandlungen, gelernt, dass nur der durchkommt, der hart und stark auftritt.

Wie auch immer.
Ozzy Osbourne und Black Sabbath haben mich musikalisch begleitet.
Ebenso übrigens wie Mozart, Deep Purple, Bach, Genesis, Beethoven, Kitaro, Händel, Pink Floyd, Telemann, Rolling Stones... - und ja, auch Wagner ... (ich bedauere immer wieder die, die so begeistert festgelegt sind und eingeschränkt von einer exklusiven Musikrichtung überzeugt sind. Ach, das musikalische Leben ist so bunt und ausdrucksstark!)
Wie Sie vielleicht ahnen, Black Sabbath (wie auch all die andern) begleiten mich noch immer.
Eines meiner liebsten Lieder von Black Sabbath ist Paranoid - das letzte Lied von eben diesem Konzert in Birmingham. Ich sehe Ozzy zwei Dinge an:

Zum einen:
Das Konzert hat ihn Kraft gekostet. Haare und  Kleidung sind triefend nass verschwitzt. Es kostet ihn Mühe aufrecht zu stehen. Fast mache ich mir Sorgen um ihn und befürchte, dass er zusammenbricht.

Zum andern:
Er kann gar nicht aufhören. Er ist begeistert und getrieben von dem, was er tut. Das mag an der Menschenmenge liegen, die ihm zujubelt, die, in seiner Musik vereint, zu einer Einheit verschmolzen ist.
Sie wollen mehr. Sie brauchen mehr. Sie brauchen etwas, das ihnen hilft, dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit am Leben zu halten. Denn dieses Gefühl hilft ihnen, für eine Weile aus dem Alltag auszusteigen. Ozzy und Black Sabbath schenken ihnen für diese Zeit in dieser Musik das kostbare Gefühl, dass das Leben gut und in Ordnung ist. Für diese Zeit gibt es keine Sorge um das Morgen. Es zählt der Augenblick...

Ich sehe das Video und wünsche mir, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.
Dann ist das letzte Lied gesungen. der letzte Ton gespielt.
Noch etwas genuschelt wünscht Ozzy seiner Fan-Gemeinde eine gute Nacht.
Dann ruft er ihnen klar artikuliert und gut verständlich diesen Satz zu:

Thank you! God bless you all! (Danke Euch! Gott segne Euch alle!)

Ozzy segnet? 
Ausgerechnet er?

Was hatte man ihm nicht schon alles vorgeworfen: Satanismus, Aufforderung zur Selbsttötung...
Sein Auftreten und das von ihm gepflegte Image hat Missverständnisse und abstruse Verschwörungstheorien und in der Folge diese Vorwürfe möglich gemacht.
Aber auch das ist wohl wahr: Mehr als einmal war er erschrocken über das, was Andere taten. Besonders, wenn sie dabei glaubten sich auf ihn berufen zu können.

Sein Image ist nur die eine Seite.
Mich fasziniert, wie er und Black Sabbath Menschen erreichen. Nicht nur skandalös und zweifelhaft. Black Sabbath und er wirken gemeinschaftsstiftend. Wenn Sie mögen, schauen Sie sich das Video auf youtube einmal an.  
Sehen Sie selbst, wie sich die Menschen, im Tanz verbunden, gemeinsam bewegen.
Sehen sie, wie Ozzy sie führt und zusammenhält - und was es ihn an Kraft, Energie und eigener Begeisterung kostet.  

Ich sehe das Video und ich sehe Menschen, die sich vermutlich nicht kennen. Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Menschen, die sich "zufällig" in dieser Konzerthalle in Birmingham begegnen. Sie wissen nichts voreinander. Sie kennen die Sorgen nicht, die den Menschen neben ihnen umtreiben.
Es reicht ihnen aus, zu wissen, was sie in diesem Augenblick antreibt:
Die Begeisterung für diese Musik, den Rhythmus, die Riffs, die Bass-Lines...
mehr brauchen sie nicht, um in diesem Augenblick zu Hause und eine Gemeinschaft zu sein.

Ich sehe mir das Video an. Meine Gedanken schweifen ab von dieser Musik. Morgen ist doch Pfingsten. Das Fest heiligen Geistes.

Ich denke mich in das pfingstliche Jerusalem:
Dort sind auf einmal Menschen miteinander verbunden, die sich vollkommen fremd sind. Eine beeindruckend lange Liste von Nationalitäten wird aufgemacht.
Ich ahne die Buntheit der Kulturen, die sozialen Unterschiede, die Vielfalt von Ängsten und Hoffnungen. Ich vermute eine Vielfalt von Lebensdeutungen, die sich im „normalen“ Leben unversöhnlich gegenüberständen: Und willst du nicht mein Bruder sein…

Jerusalem hatte wohl schon immer das Potential für soziale Spannungen: Ungerechtigkeiten. Rassismus, fehlender Zugang zu Bildung. Aber an diesem Tag von Pfingsten ist da etwas, das stärker ist als das Trennende. Es verbindet sie etwas: Es ist die Botschaft von einem Nazarener, der überzeugt und überzeugend Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit gelebt hat.
Die Botschaft von Einem, der sich die Gewissheit und das Vertrauen, dass Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit möglich sind, alles hat kosten lassen.

Auf einmal sehe ich wieder die Menschen im Konzert. Ich sehe die heilsame Kraft der Musik für die Menschen in Birmingham. Gesegnet gehen sie in ihren Alltag.

Wie hatte damals Jesus zu Nikodemus gesagt?
Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl;
aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.
also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.

Ja, ich weiß nicht, woher Gottes Geist kommt.
Ich weiß nur, dass er mir „not wendend“ ist.
Und wenn ich des Satz Jesu jetzt höre, dann höre ich auch eine Ermutigung und eine Erlaubnis:
Ich höre:
Jede und jeder kann segnend wirken.
Jede und jeder kann Gemeinschaft stiften.
Du auch! Trau dich!

Ozzy Osbourne ist an Parkinson erkrankt. Ein neues Stück Lebensweg liegt vor ihm, mit neuen leidvollen Erfahrungen und Herausforderungen. Darin ist er verbunden mit unzählig vielen Andern weltweit, die an Parkinson erkrankt sind. Unsicherheit und Depression mögen warten. Die Angst vor peinlichen Situationen mag kommen, wenn Zittern nicht zu kontrollieren ist.
God bless Ozzy. Möge es ihm und allen Erkrankten dieser Welt möglich sein, eine Gemeinschaft zu finden, die die Kraft hat, auszuhalten. Eine Gemeinschaft, die stärker ist als jede Krankheit. Auch stärker als das Corona-Virus!

Sharon Osbourne, seine Frau, hat ihn durch dunkelste Zeiten begleitet.
Ich habe selber in den letzten Monaten erleben dürfen, welch heilsame (heilige!) Kraft gute Weggefährtinnen und Weggefährten schenken.

Thank you!                       Danke Euch!
God bless us all!               Gott segne uns alle!

Gesegnete Pfingsten
und das Wirken heilsam heiligen Geistes
wünscht Ihnen Ihr,                       Reinhold Hoffmann

 

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