Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

Jesu Einzug in Jerusalem

und die Schmetterlinge…

 

 

Aus Johannes 12:

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, da nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien:
Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«
Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 
Die Pharisäer aber sprachen untereinander: 
Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; Schaut es Euch an: alle Welt läuft ihm nach.

Ganz vorne in der Menschenmenge, die Jesus begleitet, da sehe ich Maria tanzen. Natürlich tanzt sie!

Bewegung ist angemessen, denn: wie sehr war… nein wie sehr ist ihr Leben doch in Bewegung! Eine gute Bewegung ist es! Schön und voller Lebenslust… 
Wie ein verführerischer Tanz …

Vor ein paar Tagen:
Sie hatte sich auf den Weg gemacht zu Jesus. 
Ihre innere Verbundenheit und ihre innere Nähe zu ihm brauchten drängend eine Möglichkeit, sich auszudrücken. 
Was für eine außergewöhnliche Nähe war das zwischen ihr und diesem Mann aus Galiläa… 
Eine Form der Zuneigung, die mit kaum etwas zu vergleichen ist: 
Sie hat seine Füße gesalbt und dafür alle möglichen Tabus gebrochen.

Sie ist öffentlich in einen exklusiven Kreis gebildeter Männer eingedrungen. Und sie hat das für ihn gewagt...
Für ihn ist sie weit aus ihrer Komfort-Zone heraus getreten. Hat sich ausgeliefert:
dem Gespött; den Hassreden…

Und Er? Er hat sie angesehen, ernst genommen, geachtet.
Er hat ihr die Würde erhalten; hat ihr Ihre Würde wiedergegeben.
Hat sie nicht zum Objekt gemacht wie die anderen, die „feinen“ Herren.

Er hat sie als Frau gesehen… 
Mit Ihrer Sehnsucht nach Bedeutung. Mit ihrer Sehnsucht nach Wirksamkeit. Mit ihrem Wunsch, eine Spur in der Wüste des Daseins zu hinterlassen. Einem Mann wichtig sein – nicht als Objekt der Begierde. Als ein eigenständiges wertvolles Wesen mit Geschichte, Zukunft und Gegenwart. Als Wesen mit Bedürfnissen, Fähigkeiten und Grenzen.

Ihre Begegnung mit dem Nazarener hat Bewegung in ihr Leben gebracht. Es war eine vollkommen neue Erfahrung. Es war: Neues Leben

Aber dann. Kurz darauf.
Lazarus. Ihr Bruder. Krank. Dann gestorben. Zu früh.
Neues Leben. Aber von ganz anderer Qualität dieses Mal. 
Nicht besser. Gar nicht gut. Richtig schlecht.

Der, der ihr und ihrer Schwester in einer Männerwelt Sicherheit gegeben hat, war ihnen genommen. Ausgelöscht mit ihm: Geborgenheit und Sicherheit. Noch gibt es Freunde. Noch hat sie mit ihrer Schwester den Schutz der Trauerzeit. Aber sie sieht sie schon, die Männer mit Einfluss, die nach ihr und ihrer Schwester und vor Allem: nach ihrem Grundbesitz greifen: „Kein Mann mehr da? - Wir helfen aus!“ - „Das kostet dich aber deine Selbstständigkeit!“ „… und deinen Besitz, du kannst damit doch eh nichts mehr anfange in einer Männerwelt“

Und wieder gibt Jesus ihr die Würde zurück. Gibt ihr Lazarus zurück. Keine Vertröstung auf ein Jenseits. Nein, hier in dieser Welt sollst Du einen Platz haben…

So tanzt sie jetzt in diesem Zuga nach Jerusalem ihre Dankbarkeit und ihre Freude hinaus in die Welt. Sie tanzt ihre Müdigkeit und ihre Angst aus sich heraus…

Und als ob die ganze Kreatur mit ihr jubelt und Gott lobt und preist, sie wird umschwirrt von lauter bunten Schmetterlingen.

Leben kann…  so leicht sein.

So unbeschwert, so einfach und so schön wie das Spiel der Farben auf den Flügeln der Schmetterlinge. Leicht wie der Flügelschlag eines Schmetterlings.

Da, jetzt habe ich Maria aus den Augenverloren…

*

Ach, da sitzt sie

Es war wohl viel für sie in den vergangenen Tagen und Wochen.

Sie ist müde geworden.

Erschöpft hat sie sich auf einem Ast am Wegesrand niedergelassen…

Mir scheint, als wäre sie in ein Gespräch mit den Schmetterlingen vertieft…

Konzentriert hört sie ihnen zu…
Sie erzählen ihr von ihrem Leben.

Erzählen von ihren Veränderungen…
Von neuem Leben, das sie kennen gelernt haben…

Sie erzählen: „Wenn Leben neu werden will, dann muss es das Alte wirklich ganz hinter sich lassen….“

Wie bei ihnen… 
Wie hat ihr Leben angefangen? 
Eine Raupe, unansehnlich. Ärgerlich und eklig für Menschen.
Verfressene Schädlinge.
Dick und fett haben sie ihre Leiber über die Erde gewälzt.
Und dann der Kokon. Im Verborgenen – als wären sie tot.
Schließlich auferstanden: ganz anders.
Wirklich neu.
Aber endlich das, was sie schon immer sein sollten…
Das war erfülltes Leben!
Leben, entstanden durch den Tod

Maria hört zu.

Erinnert Sätze die sie von Jesus gehört hat…

… Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt…

… Wer nicht neu geboren wird durch den Geist…

 

Und dann ist ihr als könne sie Jesus einen Satz sagen hören, den er noch gar nicht gesagt hat. Einen Satz, den er erst noch sagen wird: 
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt“

Ganz anders wird es sein…
Unabhängig von dem was bisher war

 

Die Welt neu sehen…
Die Welt neu denken…
Was sie bisher erlebt hat war doch dieses: Neues war das Alte, nur aufpoliert, erneuert. 

Erneuertes Leben. Das erneuerte Alte.

Aber sprach Jesus nicht von wirklich „Neuem Leben…“
Wie wird das sein?

Wie wird das sein, wenn Leben wirklich „Neu“ wird? 

 

 

 

 

 

 

Ich weiß von mir, wenn ich von „Neuem“ träume, dann verbirgt sich in dem Traum in der Regel die Hoffnung auf das Vertraute.
Nur: von Neuem unschuldig und unverletzt, wieder auf Anfang gesetzt. Erneuerung halt. Dinge beginnen dann „von Neuem“. Aber es ist nicht wirklich Neu.

Ich möchte von Ostern die Kraft und die Weite bekommen, Gottes Welt ganz neu zu begreifen.  

Wenn ich nun mit Maria und im Gefolge Jesu in Jerusalem und in die Karwoche einziehe, 
wenn ich mich über Karfreitag auf den Weg zu Ostern mache,
wenn ich mit der Menschenmenge im Jerusalemer Stadttor rufe:
             „Hosianna dem Sohn Davids!
              Hosianna dem, der da kommt im Namen des Ewigen“
dann soll das meine Hoffnung sein:
Ich möchte von Ostern Kraft, Weite und Freiheit bekommen, Gottes Welt wirklich neu zu begreifen.

Mit wahrhaft neuer Weltsicht möchte ich mit der Schöpfung und – ganz besonders mit den Schmetterlingen - singen können:

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; 
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd. 

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen Ihr,
                                                         Reinhold Hoffmann
 

 

Herzlich danken möchte ich der Künstlerin Anna Frick aus Bietigheim, deren Bilder mich immer wieder anregen, Geschichten zu erzählen.

 

Reinhold Hoffmann
Odenwälder Landstr 1
64760 Oberzent - Rothenberg

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