Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

Fürchte dich nicht!

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebes Gemeindemitglied!

Heute beginnt der sogenannte ‚harte Lockdown‘ mit weitreichenden Folgen für das öffentliche Leben. Wenige Tage vor dem festlichen Höhepunkt des Jahres werden wir aufgefordert, Kontakte zu meiden, um das Ansteckungsrisiko zu mindern. Die Infektionszahlen bewegen sich auf einem hohen Niveau, die Anzahl der an Covid-19 Verstorbenen ist erschreckend und in den Krankenhäusern stößt man an Grenzen der physischen und psychischen Belastung und von Behandlungsmöglichkeiten.

„Handle so, als seist du infiziert“, scheint in diesen Tagen die angemessene Handlungsmaxime zu sein. Es geht nicht allein um den Selbstschutz, sondern um den Schutz der Mitmenschen. Konsequente Einhaltung der gängigen Verhaltensregeln, Einschränkung der Kontakte auf ein Minimum, Absagen von allen Versammlungsformen, seien die Hygienekonzepte noch so überzeugend, ist gegenwärtig ein Ausdruck gelebter Nächstenliebe. Die Zuwiderhandlung und Leichtsinnigkeit hingegen ein Ausdruck von Rücksichtslosigkeit und gefährdender Ignoranz.

Die eindringlichen Apelle, die wiederholten Aufforderungen zur Vorsicht, die beschlossenen eingrenzenden Maßnahmen führen in der Summe aber auch zu einem allgemeinen Unwohlsein. Da mag keine ausgelassene Weihnachtstimmung aufkommen. Wie Mehltau legt sich die aktuelle Situation auf das Gemüt. Eine entspannte Vorfreude auf das bevorstehende Fest ist im Moment kaum möglich. Sorge um die Zukunft, die bange Frage, wie lange dieser Virus unser Leben bestimmen und einschränken wird, ob die persönliche Widerstandskraft reicht, ohne Schaden zu nehmen, all das bewegt und verunsichert. Auch wenn die meisten Menschen bislang verschont und gesund geblieben sind, die aktuelle Situation hinterlässt tiefe Spuren und setzt Normalität für den Moment einfach aus.

Eine zentrale biblische Botschaft lautet: Fürchte dich nicht! Dieser Satz taucht auch in der Weihnachtsgeschichte auf als der Engel den Hirten erscheint. Die sind zunächst entsetzt, weil sie das Geschehen nicht einordnen können. Das Erlebte ist kein Teil ihrer Lebenserfahrung, es wirkt fremd und bedrohlich. Da sind wir in der Gesellschaft der Hirten gerade gut aufgehoben.

Was uns in diesen Wochen widerfährt ist beunruhigend und wirkt mitunter bedrohlich. Es ist zum Weglaufen. Die Hirten sind aber nicht vor Entsetzen weggelaufen. Sie haben den Schrecken ausgehalten und sind geblieben bis ihnen allmählich deutlich wurde, dass der anfängliche Schrecken keinen Bestand hat. In ihnen stellte sich Zuversicht und Vertrauen ein. Die Angst wurde überwunden, weil sie nicht weggelaufen, sondern geblieben sind. Sie haben die Situation ausgehalten, ihrem anfänglichen Schrecken widerstanden. Das erfordert Mut und vielleicht auch Überwindung. Es braucht auch das Zutrauen, so handeln zu können. Die Aufforderung ‚Fürchte dich nicht!‘ spricht uns dieses Zutrauen zu, will Mut in uns wecken, ist im besten Sinne eine Zu-Mutung, um füreinander einzustehen, um Angst und Sorge miteinander zu überwinden.

Der Satz ‚Fürchte dich nicht‘ wird in der Bibel sehr häufig geäußert, weil er schon immer Not-wendend war. In diesen Tagen spüren wir sehr deutlich das Bedürfnis nach diesem Zuspruch, der uns hilft, unsere inneren Nöte zu überwinden. Die Hirten machten sich schließlich auf den Weg. Für sie wurde es am Ende dann doch noch eine Heilige Nacht. Darum: Fürchte dich nicht!

Ihr 

Jörg Awischus, Pfarrer

Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald | Gemeinsames Gemeindebüro für die Ev. Kirchengemeinden Hirschhorn, Neckartseinach und Rothenberg: 06272 2225