Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

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Pfarrer Norbert Feick
PRedigt zu Sonntag Kantate
 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus.

 

Liebe Gemeinde!

Wie schön und passend, dass wir am Sonntag Kantate wieder Gottesdienst feiern können und in unserer Kirche wieder Musik erklingt! Trotz aller Einschränkungen und Platzbeschränkungen und inmitten aller Verunsicherung unserer Tage feiern wir Gottesdienst, uns zur Stärkung, als Zeichen der Hoffnung und zum Lob Gottes.

Bei der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem zur Zeit des Königs Salomo – davon haben wir in der Schriftlesung gehört - wurden Trompeten geblasen und sind Zimbeln und Harfen erklungen. Wunderbar! Heute in unserem ersten Gottesdienst nach dem Shutdown, erklingen unserer Seelen zum Lob Gottes - genauso wunderbar!

Oft erfahren wir erst durch Entbehrungen, erst durch massive Einschränkungen, erst inmitten persönlicher Krisen, von den tragenden Säulen unseres Lebens erkennen. Was ist so eine Säule?

Für mich ist so eine tragende Säule meines Lebens die Musik, oft habe ich Melodien im Ohr, kommen mir Textzeilen angeflogen, erklingen Lieder in meinem Innersten. Ich kann gar nicht anders als sie zu singen. Inmitten der Corona-Pandemie, haben mich die Bilder aus Italien, als isolierte Menschen auf Balkonen gesungen haben, sehr berührt. Musik ist nicht stumm zu kriegen, sie streichelt unsere Seele.

Haben Sie stets ein Lied im Sinn und eine Zeile parat? Das sind gute Wegzehrungen in Krisen. Die Geschmäcker sind ja verschieden und das ist gut so. Aber wenn die Musik uns berauschst, dann kann es uns ganz ähnlich ergehen, wie den Menschen bei der Einweihung des Tempels, dass das ganze Haus von der Herrlichkeit Gottes erfüllt wird.

Eine weitere wesentliche Säule für mich ist das Gebet. Wie gut tut mir ein Gebet, wie entlastend ist diese Gegenwart Gottes, wie stärkend das Hören auf die göttliche Stimme. Dann bleibe ich geborgen selbst in Phasen angespannter Unsicherheit. Ich bleibe wachsam gegenüber den allgegenwärtigen Verschwörungstheorien. Ich kann selbstbewusst den geäußerten Vermutungen, dass Corona eine Strafe Gottes sei, begegnen. Das Gebet lässt mich besonnen bleiben und tröstet. Von vielen Menschen habe ich die Rückmeldung erhalten, dass es wichtig war, dass unsere Kirche für die persönliche Stille offen war.

Eine dritte Säule, die uns in Krisen trägt, ist besonnenes Handeln. Treffend bringt der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas unser gegenwärtiges Dilemma auf den Punkt: „Eines kann man sagen: So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Unsicherheit handeln und leben zu müssen, gab es noch nie.

Wir stehen unter dem Zwang trotz Unsicherheit handeln zu müssen, deshalb müssen die Fragen gut abwägen: Dürfen Schulen und KiTas öffnen? Sollen kulturelle Veranstaltungen mit Publikum wieder stattfinden, oder lieber nicht? Darf in der Bundesliga wieder Fußball gespielt werden? Jürgen Habermas sagt, wir stehen unter dem Zwang handeln zu müssen, dass bedeutet auch, dass Fehler gemacht werden, die schlimme Folgen für viele Menschen haben könnten. Deshalb ist es fatal die Corona-Pandemie zu leugnen, zu beschwichtigen oder Menschen in falscher Sicherheit zu wiegen. Wir benötigen Wissen, um gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Aber dieses Wissen haben wir noch nicht, deshalb müssen wir abwägen, das macht es so schwer. Aber nicht zu handeln, den Dingen gar ihren Lauf zu lassen, das verbietet sich noch viel mehr, deshalb sollten wir besonnen handeln.

Eine letzte Säule, die ich für mich entdeckt habe, lautet: Neues wagen! Ganz neu hätten sie die Gottesdienste im Fernsehen genossen oder haben die kreativen Internetgottesdienste für sich entdeckt, sagten mir manche. Auch wir sind in der Gemeinde neue Wege gegangen, haben 10 min Gottesdienste aus der Kirche, der KiTa oder der Kapelle gefilmt. So konnten wir trotz Kontaktsperre einander nahe bleiben, so konnte unsere Gemeinschaft gestärkt werden, obwohl wir uns nicht persönlich treffen konnten. Jede Krise schafft auch Platz für Neues. Bei allem, was wir tun und lassen, möge Gott uns schenken, dass wir wie die Menschen, die damals den Tempel einweihten die Worte auf den Lippen haben: „Gott ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“.

Amen

Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald | Gemeinsames Gemeindebüro für die Ev. Kirchengemeinden Hirschhorn, Neckartseinach und Rothenberg: 06272 2225