Evangelischer Kooperationsraum Südlicher Odenwald

Norbert Feick                                                                          10.4.2020

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Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus.

 

Heute ist Karfreitag – und die Welt ist im Ausnahmezustand. Dass Karfreitag ist, hätte ich fast gar nicht gemerkt, es ist ein sonniger Tag wie in den letzten Tagen. Alles grünt und blüht, das schöne Wetter zieht mich nach draußen.

 

Doch halt. Den Ausnahmezustand unserer Tage spüre ich deutlich. Ich darf nicht reisen, nicht gemütlich Essen gehen, keinen Gottesdienst feiern und muss mich von Menschen fernhalten. So vieles ist verboten oder eingeschränkt. Lebensgewohnheiten wurden mächtig durchkreuzt vom kleinen Corona-Virus.

 

Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen.“ Das sind Jesu Worte am Kreuz an Karfreitag. Fast könnten es meine sein. Verlassen fühle ich mich auch und zudem eingesperrt.

 

Wie lange können wir das noch aushalten? Ich lese von zunehmender Gewalt in Familien aufgrund der häuslichen Enge spüre die Sorge um die Menschen in Seniorenheimen oder Krankenhäuser, die ihre Angehörigen nicht mehr zu Gesicht bekommen.

 

Ich mache mir Sorgen um unsere Wirtschaft: Die Betriebe und Geschäfte, die schließen mussten und die Menschen, die um ihre Existenz bangen, in Kurzarbeit sind oder entlassen wurden.

 

In Mitten all dieser Sorgen frage ich mich: Was wird noch auf uns zukommen? Falls wir noch nicht die Spitze der Pandemie erreicht haben und das Virus sich weiterhin ausbreitet? Was passiert dann mit den vielen Kranken, vor allem mit denen, die weltweit ohne medizinische Versorgung die Krise bewältigen müssen?

 

Oft kommt es uns in den Sinn, als spiele Gott mit dieser Welt. Gerade haben wieder Verschwörungstheorien und Unheilspropheten Hochkonjunktur.

Aber nein, daran glaube ich nicht. Im Gegenteil, selbst wenn Morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen, so wie Martin Luther es einmal gesagt haben soll.

 

Meine feste Zuversicht lautet: Gott meint es gut mit uns und dieser Welt, obwohl er nicht alles verhindert und nicht so macht, wie wir es erwarten oder uns wünschen.

 

Mein Hoffnungssatz, in diesen Tagen lautet:

Fürchte dich nicht, ich bin mit dir;
weiche nicht, denn ich bin dein Gott.
Ich stärke dich, ich helfe dir auch,
ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit

Dieser Vers steht im Buch Jesaja, Kapitel 41, Vers 10.

Das glaube ich.

 

·       Gott weicht nicht. So wie die Mitarbeiterin im Supermarkt, die mich freundlich bedient, immer wieder die Regale auffüllt und nicht wegrennt in der Krise.

 

·       Gott stärkt mich. So wie der Musiker, der sein Klavierspiel kostenlos im Internet zur Verfügung stellt oder der ergreifende Gesang jeden Abend von Italiens Balkonen.

 

·       Gott hält meine Hand. So wie die Krankenschwester auf Station oder der Altenpfleger im Seniorenheim.

 

·       Und Gott hält das Schreien aus, so wie den Schrei von Jesus am Kreuz. Weil Gott diese Welt eben nicht verlassen hat, sondern solidarisch an unserer Seite bleibt. Und darum fürchte dich nicht.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen

 

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